Dienstag, 1. Juli 2008

Blog-Itis oder Wie abhängig kann man vom Internet sein?

Wir leben in einem neuen (na gut, schon 7 Jahre alten) Haus.

Aber das Wohngebiet ist neu. Am Rande Berlins.

Wo vorher entweder alte Häuser mit alten Kupferleitungen standen oder eben nichts.

Und dieses Nichts hat natürlich die neueste Infrastruktur erhalten, in diesem Fall heißt die berühmt berüchtigte Technik: OPAL, Optische Anschlussleitung, Glasfaserkabel (für die Telefonie).

Nur leider wurde diese revolutionäre Technik irgendwann von einer anderen revolutionären Technik, dem DSL, überholt. Und DSL geht nicht über OPAL. Oder nur unter ziemlichen Aufwand, den die Telekommunikationsunternehmen nicht auf sich nehmen möchten.

Deshalb haben wir uns für UMTS entschieden, sozusagen Internet übers Handy.

Doch leider ist der Ansturm – aufgrund mangelnder Alternativen – so groß, und leider die Technik auch nicht fehlerfrei, dass wir häufig Schwierigkeiten haben, ins Internet zu kommen. Mal ist es zu langsam (was ja bis zu einem gewissen Punkt noch akzeptabel ist), oder man kommt überhaupt nicht mehr rein. So wie jetzt, schon der zweite Tag in Folge.

Sicherlich ist das Internet nun nicht das wichtigste im Leben. Aber wenn es nicht da ist, stößt man auf unbekannte Grenzen.

Jede Information wird inzwischen von mir über das Internet eingeholt.

„Eine Frage? Ich google mal…“

Welche Telefonnummer hat Dings? Geh mal ins Internet.

Jobsuche? Die Jobangebote des Internet abgrasen.

Wie komme ich von hier nach da? Schau mal ins Internet.

Überweisung? Klar, über Internetbanking.

Was wollen wir heute essen? Wollen wir ein Rezept suchen? Sicher, übers Internet.

Ich muß mal meine e-mails abrufen! Das geht ja nur übers Internet.

Wie wäre es, die neuesten Bilder ins Blog zu stellen? Schwer, ohne Internet.

Heute ist der 1. 7., das bedeutet neue BOMs! Ab ins Internet.

Ich habe eine schöne Tasche bei einer Freundin gesehen, die mir unheimlich gut gefällt. Hatte nicht Amy Butler ein ähnliches Schnittmuster? Ich schau mal ins Internet…

- Ach, geht ja nicht…

Ich komme nach Hause und habe mal zwei Stunden Zeit für mich, bevor ich die Kinder abhole, heute mit Freundeanhang. Also freue ich mich schon, setze mich an meinem Schreibtisch, und kriege eine Krise - Internet geht ja gar nicht!!!

Ich wäre ja schon zufrieden, wenn wir über ISDN über zwei B-Kanäle ins Internet gingen – das ist zwar nicht das schnellste, aber solide und zuverlässig. Doch das ist GöGa zu langsam, der natürlich die Gigabytes runterladen will.

Aber was mache ich nun? Zwei Stunden habe ich Zeit… Was habe ich vorher gemacht, ohne Internet? Weiß ich nicht, ist zu lange her… Was macht meine Schwiegermutter? Sie hat zwar einen Computer, den sie allerdings nur als verbesserte Version der Schreibmaschine nutzt, ein Fossil, nicht mal mit Modemanschluß. Womit beschäftigt sie sich denn den ganzen Tag?

Kaum vorzustellen, dass es wirklich Leute gibt, die ohne Computer, geschweige denn ohne Internet auskommen…

Oder bin ich schon abhängig? Gibt es eine Internet-Sucht? Vielleicht eine Blog-Itis? Denn oft kann ich mich nicht loseisen, um Mitternacht, wenn mir schon die Augen zufallen, aber da war noch eine Verlinkung zu einem Blog, den ich mir unbedingt ansehen muß…

Dann werde ich mich mal – nach dem Schreiben dieses Textes – offline, versteht sich – mal mit einer Stichelei, vor den Fernseher setzen, denn inzwischen ist eine Stunde vergangen und ich habe noch eine, bis ich die Kinder abhole, aber so werden vielleicht auch mal meine Arbeiten fertig, sonst hält mich ja das Internet immer davon ab, zu arbeiten oder zu nähen…

... und darauf warten, daß ich mich wieder wie ein Süchtiger unter Entzugserscheinungen ans Internet klicken kann...

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